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Abbildung zum Thema Plastische Amputation des Schienbeins nach Pirogov

Die Pirogov-Amputation am Schienbein für Prothesenträger

Wenn Chirurgen eine Amputation am Unterschenkel vornehmen müssen, wählen sie oft das Verfahren nach Pirogov, weil die gezielte Abdeckung des Knochenendes mit Muskelgewebe eine deutlich bessere Grundlage für spätere Prothesen bietet. Diese Methode ist kein moderner Trend. Nikolaj Pirogov beschrieb diese Technik bereits im 19. Jahrhundert. Er erkannte, dass ein freiliegender Knochenstumpf zu Problemen führt. Ein stumpfer Stumpf ohne Weichteilschutz schmerzt bei Belastung.

Anatomische Grundlagen der Amputation

Da das Schienbein (Tibia) und das Wadenbein (Fibula) im Unterschenkel eine sehr dünne Weichteilschicht besitzen, benötigt ein Stumpf nach einer Teilamputation dringend einen stabilen Schutz aus Muskelgewebe. Die Chirurgen nutzen hierbei die vorhandenen Muskelgruppen des Unterschenkels, um das knöcherne Ende vollständig zu umschließen. Dies verhindert, dass der Knochen direkt gegen die Prothesenhülse drückt. Ein solcher Druck würde schmerzhafte Wunden verursachen. Der Stumpf braucht Volumen.

Die Muskulatur wird dabei gezielt umgelagert. Man nennt diesen Vorgang eine Myoplastik. Dabei werden die Muskeln am Knochen fest verankert, sodass ein stabiler Polster entsteht. Die Heilung dauert meist 6 bis 12 Wochen. Danach beginnt die Phase der Prothesenanpassung.

Der operative Ablauf nach Pirogov

Während der Operation wird das Schienbein auf einer bestimmten Höhe gekürzt, wobei die Chirurgen darauf achten, dass das Wadenbein etwas länger bleibt als die Tibia, damit keine mechanische Instabilität entsteht. Dieser kleine Höhenunterschied ist entscheidend für die Statik des Stumpfes. Die Muskeln werden dann wie eine Schutzhülle über den Knochen gelegt. Das Gewebe muss gut durchblutet sein.

Die Wundheilung ist der kritische Faktor. Wenn die Durchblutung im Bereich der Muskeltransposition gestört ist, kann die Wunde aufreißen. Dies geschieht oft bei Patienten mit Diabetes mellitus oder Gefäßerkrankungen. Ein Arzt muss die Wundsituation täglich kontrollieren. Die Naht muss präzise sitzen.

Bedeutung für die Prothesenversorgung

Weil die Pirogov-Methode ein voluminöses und weiches Stumpfende erzeugt, können Orthopädietechniker eine Prothesenhülse anfertigen, die den Druck gleichmäßig auf die gesamte Fläche verteilt. Ein flacher Stumpf ohne Muskelpolster würde die Belastungszonen zu stark einschränken. Die Stabilität der Prothese hängt massiv von der Form des Stumpfes ab. Ein runder Stumpf ist ideal.

Die Weichheit des Gewebes hilft bei der Kraftübertragung. Wenn der Patient den Muskel bewusst anspannt, kann er die Prothese besser steuern. Das nennt man Myodynamik. Diese Technik verbessert die Lebensqualität erheblich. Die Bewegung wird flüssiger.

Herausforderungen und Risiken

Obwohl die plastische Rekonstruktion viele Vorteile bietet, besteht bei Patienten mit sehr wenig Unterhautfettgewebe das Risiko, dass die Muskeldeckung nicht ausreicht, um den Knochen dauerhaft vor Druckstellen zu schützen. In solchen Fällen muss eine engmaschige Kontrolle durch einen Orthopäden erfolgen. Es können Schmerzen auftreten.

Ein weiteres Problem ist das sogenannte Phantomgefühl. Das Gehirn registriert Nervenenden, die nach der Amputation im Stumpf verbleiben. Dies ist ein neurologischer Prozess. Er lässt sich oft durch gezielte Physiotherapie lindern. Die Patienten müssen lernen, mit dem neuen Körperteil umzugehen.

Rehabilitation und Training

Nachdem die chirurgische Wunde vollständig verheilt ist, beginnt die intensive Phase der Physiotherapie, damit die verbliebenen Muskeln kräftigt werden können und der Stumpf an die mechanische Belastung der Prothese gewöhnt wird. Ohne dieses Training bleibt die Mobilität eingeschränkt. Die Kraft im Stumpf ist die Basis für den Gang.

Man arbeitet oft mit Kompressionshüllen. Diese reduzieren Ödeme (Schwellungen) im Gewebe. Ein geschwollener Stumpf passt nicht in die Prothese. Die Form muss konstant bleiben. Das Ziel ist das freie Gehen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Heilung nach einer Pirogov-Amputation?

Die primäre Wundheilung der Haut benötigt etwa 3 bis 4 Wochen. Bis das tiefe Muskelgewebe stabil genug für eine Prothesenbelastung ist, vergehen meist 12 Wochen. Eine frühzeitige Belastung sollte nur nach ärztlicher Freigabe erfolgen.

Warum wird das Wadenbein kürzer gelassen als das Schienbein?

Das Wadenbein (Fibula) hat im Vergleich zur Tibia weniger Muskelansätze und eine geringere Lastaufnahme. Wenn die Fibula genauso lang wäre wie die Tibia, könnte sie bei Belastung gegen die Prothesenhülle drücken und Schmerzen verursachen.

Kann man mit einem Pirogov-Stumpf Sport treiben?

Viele Patienten kehren nach einer intensiven Rehabilitation zu moderatem Sport zurück. Die plastische Muskeldeckung ermöglicht eine bessere Kraftübertragung auf die Prothese, was die Stabilität bei Bewegungen erhöht. Ein spezialisierter Orthopädietechniker sollte die Prothese für sportliche Aktivitäten anpassen.

Welche Hilfsmittel unterstützen die Stumpfformung in der ersten Zeit nach der Operation?

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